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3xW - Werra, Weser, Wda

mit der KGNO unterwegs

Von Albert Emmerich
mit Fotos auch von Ullo Fochler und Martin Weber


KC Hörschel: Protest gegen Werraversalzung

Direkt zum Fahrtenbericht Weser.

Direkt zum Fahrtenbericht Wda.

Nach dem Fahrtenbericht findet Ihr noch eine Etappenübersicht.

Als ich Ende 2007 einen Paddelurlaub für Ende April / Anfang Mai plante, fielen mir im DKV Fahrtenprogramm zwei Veranstaltungen auf der Werra auf: Die Hörscheler Werratage und eine Protestveranstaltung „Kali Salz muß raus“ am 1. Mai in Gerstungen. Da passte dann sehr gut die Werralandrallye und das Wesermarathon noch dahinter, damit war die erste Woche klar (mit 4 Gemeinschaftsfahrten in einer Woche…!). Für die 2. Woche zog es mich mal wieder nach Polen, die Wda sollte es sein. Schon viel gehört davon, aber noch nie dagewesen. Also schrieb ich das alles in der KGNO aus, und auch Freunde in Polen versuchte ich dafür zu gewinnen.
Die Polen reagierten diesmal nicht, aber da war noch jemand im Bündnis: Petrus! Wir hatten ein Riesenglück mit dem Wetter.

Werra

Jahrzehntelang war die Werra ein Grenzfluß, nur in Teilstücken zu befahren. Doch seit dem Wegfall der Grenze steht hier ein sehr schöner, durchgehender Wanderfluß zur Verfügung. Einige Wehre müssen überwunden werden, aber die abwechslungsreiche, bergige Landschaft entlohnt einen für diese Mühen mehr als reichlich.

Das 4. W

Bevor wir jedoch zum Paddeln kommen, möchte ich über das 4. W dieses Urlaubs berichten. Das 4. W ist der Wohnwagen. Am ersten Wochenende waren neben Jochen auch seine Diana nebst Tochter dabei, und alle waren mit Zelten da. Nur Kurt, der hatte seinen Wohnwagen mit. Was hatte ich gesagt: Riesenglück mit dem Wetter? Nun ja, beim Paddeln galt das. Ganz selten ein paar Spritzer, aber sonst meist Sonne. Aber auf dem Platz in Hörschel haben wir doch so manches an Regen abbekommen. Also wurden die Vorzüge eines Wohnwagens klar. Jochen wies das weit von sich – Paddeln und Wohnwagen, neee!! Das gab für die nächsten Tage immer wieder Diskussionsstoff. Ganz am Ende redete sogar Jochen von den Vorzügen eines Wohnwagens. Na, ob seine Diana sich damit noch durchsetzt? Aber einen ganz anderen Effekt haben die Diskussionen noch gehabt: Auch ich habe mir überlegt, das Paddeln und Wohnwagen besser zueinander passen als Paddeln und Wohnmobil – und so sind wir derzeit beim Kataloge wälzen für unser eigenes viertes W…

Werra, Meiningen – Allendorf-Kloster

Der weitere Bericht ist nicht chronologisch, sondern folgt dem Flusslauf abwärts. Unser höchster Einstiegspunkt war Meiningen. Hier gibt es einen sehr guten Einstiegsplatz direkt am Beginn der Stadt am linken Ufer neben einem großen Freigelände, wo bei unserer Fahrt gerade ein Jahrmarkt aufgebaut wurde. Dennoch gab es genügend Parkplätze. Der eigentliche Einstiegssteg ist jedoch nur für sommerliches Niedrigwasser gedacht, jetzt Ende April ist er überflutet. Von der Konstruktion von Einstiegsstellen für unterschiedliche Wasserstände haben seine Erbauer wohl noch nie etwas gehört.

Der 38km lange Flußabschnitt bis Allendorf Ortsteil Kloster ist recht munter. Sehr zügige Strömung, einige Schwälle, aber sonst kaum Hindernisse. Ein paar Wehre müssen umtragen werden. An mehreren Stellen finden sich markierte Anlegestellen, zum Rasten, übernachten, Einkaufen oder zum Umtragen der Wehre. Die Werra ist für Kanutourismus gut erschlossen, jedoch nicht überlaufen. Schade nur, dass selbst bei Wehrneubauten zwar aufwändige Fischaufstiegstreppen eingebaut werden, aber keine Borstenpässe, die auch wir Kanuten befahren könnten. Das hätte der Werra noch ein Sahnehäubchen aufgesetzt.

Im Ortsteil Kloster von Allendorf sollte man nicht im Mühlenarm aussetzen. Dort hatten wir zwar das Umsetzauto geparkt. Aber das Wasser zieht mit sehr hoher Geschwindigkeit in das Mühlenwehr, und je nach Öffnung dieses Wehres steht dahinter eine meterlange Walze zwischen senkrecht gemauerten Ufern. Wer da hineingerät, kommt vielleicht nicht wieder lebend heraus. Wir zogen es daher vor, im linken Flussarm an der Wehrumtragestelle auszusetzen und die Boote ein Stück über die Wiese zu den Autos zu bringen.

Über den folgenden Teil der Werra, der durch hessisches Gebiet bis Berka führt, kann ich nur wenig berichten. Die Umtragestellen dort sollen nicht immer einfach sein. Unsere nächste Tagestour startete erst in Berka.

Werra: Berka – Hörschel, Gerstungen und das Kali-Salz

Diese Strecke ist landschaftlich schön, auch hier in den 28km Wehre zum Umtragen. Mitten drin liegt Gerstungen. In Gerstungen fand am 1. Mai 2008 auf Initiative des Kanu-Clubs Rennsteig Hörschel eine Protestveranstaltung statt. Mit 500 Teilnehmern war sie so groß, dass sie sogar in den Radiosendungen des Tages erwähnt wurde. Protestiert wurde gegen die erneuten Pläne, Lauge aus dem Kalisalz-Abbau in größerem Umfang in die Werra zu pumpen. Die Rednerliste war lang, vom Kanuverein (dessen Vertreter bei dieser Gelegenheit für sein Engagement die silberne Ehrennadel des thüringischen LKV bekam), dem thüringischen Kanu-Landesverband,


DKV-Vizepräsident Hermann Thiebes beim Protest gegen die Versalzung

dem DKV-Vizepräsidenten ging es über den hier sehr engagierten Bürgermeister von Gerstungen zu den Vertretern der Grünen, der Linken und der SPD. Das Thema wurde durchaus vielschichtig angesprochen: Von der Versalzung der Werra und Weser über das Einpumpen in den Untergrund (und das nun schon erkennbare Wiederaufsteigen der Lauge mit entsprechenden Folgen für das Grundwasser und damit für das Trinkwasser) bis hin zu den Arbeitsplätzen im Kalibergbau. Angemahnt wurde eine Beteiligung der betroffenen Gemeinden am bereits einberufenen Runden Tisch. Und eine erneute Einleitung in die Werra wurde eindeutig abgelehnt. Anschließend wurde tausende Luftballons zu Wasser gelassen, um die Botschaft mit Werra – abwärts schwimmen zu lassen. Wir ließen dann auch unsere Boote zu Wasser, hängten einige der Luftballons daran, und paddelten mit der Botschaft bis nach Hörschel. Schade nur, dass die Ballons sehr schnell ihre Luft verloren. So konnten wir Botschaft in den folgenden Tagen nicht mehr so deutlich bis zur Weser mitnehmen…


Die Protest-Luftballons begleiten die Kanuten Werra-abwärts

Hörschel, KC Rennsteig

Hörschel ist ein kleiner Ort am rechten Ufer der Werra, nahe bei Eisenach gelegen. Die Autobahn A4 ist in Sichtweite (ihre Staus haben uns aber nicht gestört…). Hier gibt es den inzwischen wieder sehr aktiven KC Rennsteig Hörschel mit einem sehr schönen Bootshausgelände.

Dieser Verein ist Veranstalter der Hörscheler Werratage, und sein Gelände war Standquartier für diese Fahrten. Da können wir nur sagen: Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft. Und den Platz kann man nur empfehlen.


Morgenstimmung auf der Werra

In Hörschel beginnt auch der Rennsteig, der schon seit sehr langer Zeit über den Kamm des Thüringer Waldes laufende Wanderweg. Der Start des Wanderweges ist direkt am Werraufer. Und nebenan ist ein empfehlenswertes Gasthaus, in dem die ganze Kanutenmannschaft auch ein Abendessen einnahm.

Eisenach, Drachenschlucht und Wartburg


Auf dem Weg zur Wartburg

Da der 1.Mai mit Protestveranstaltung und der Kanufahrt von Gerstungen nach Hörschel noch nicht ausgefüllt war, machten wir noch einen Ausflug ins nahegelegene Eisenach. Wir liefen die Drachenschlucht hindurch – beeindruckend enge Durchlässe!! – und bogen dann zur Wartburg ab. Von der Wartburg hatten wir einen sehr schönen Blick über Eisenach und die umliegenden Wälder. Aber es gruselte uns auch angesichts der Geschichte von Fritz Erbe. Dieser war ein reicher Bauer und gehörte den Wiedertäufern an. Von Religionsfreiheit keine Spur – er wurde 1533 gefangen genommen, und wurde 1540 in die Wartburg überführt, da seine Landsleute mit ihm sympathisierten. Da er sich Bekehrungsversuchen widersetzte, saß er von 1540 bis zu seinem Tode 1548 im Verlies des Südturms fest, 3 m unter der Erde und 10 m unter dem „Angstloch“, dem einzigen Zugang zu dem kalten und feuchten Verlies. So grausam konnte das „christliche“ Mittelalter sein.


Auf der Wartburg

das 5. W

Fast hätte ich das fünfte W dieser Paddelwochen vergessen. Die Waldreinigung. Anstifter war Jochen, Ausführender Anton. Auf den Wege in die Drachenschlucht meinte Jochen zu Anton: Wenn Du da oben am Beginn des Weges die Pfandflasche aufgehoben hättest und jetzt hier auch diese mitnehmen würdest, dann hättest Du schon wieder ein paar Cent Taschengeld mehr. Die Idee fand Anton sehr gut, rannte zurück, holte die Flasche, nahm auch die zweite dazu, und machte fortan die Augen auf. Und da es gerade am 1. Mai wohl viele Leute gibt, die ihre Bierflaschen zwar voll in den Wald hineintragen können, aber die leeren Flaschen dann nicht mehr aus dem Wald heraustragen können, so hatte Anton gute Beute. Gut, dass irgendwo auch noch ein blauer Sack auftauchte, denn sonst wäre ein größeres Transportproblem entstanden. Der Wald dankte es – und Anton bekam genau 5 Euro bei der Abgabe seiner Flaschen!


Anton sammelt Flaschen - aktiver Umweltschutz...!

Werra: Hörschel – Mihla, Treffurt, Eschwege

Hörschel war mehrfach der Startpunkt für Befahrungen der Werra. Sehr schöne Landschaft, die wunderschön am Fluß gelegene Burg von Creuzburg und die dazu gehörende historische Steinbrücke über die Werra bilden Höhepunkte. Wer seine Spritzdecke bei der Durchfahrt unter der Brücke nicht schließt, riskiert einen Schwall frisches Werrawasser im Boot! Anschließend geht es das einsame Werratal mit teilweise felsigen Berghängen weiter bis Mihla.


Werrabrücke bei Creuzburg

Vor dem neu renovierten Wehr mit E-Werk in Mihla liegt links der „Paddler-Treff“. Hier kehrten wir zweimal zum Mittagessen ein, wobei beim zweitenmal dies auch der Schlusspunkt der Paddeltour hier auf der Werra war. Hier gilt Selbstbedienung, und zu recht akzeptablen Preisen bekommt man leckere Gerichte. Man sitzt sehr schön draußen auf der überdachten Terasse – und die überdachung ist wichtig, wenn nach sonniger Paddeltour nun Petrus die Schleusen öffnet. Gut, dass die Boote schon aufgeladen waren!


am Werra-Ufer

Die weitere Strecke bis Treffurt bleibt landschaftlich ansprechend, später nach Eisenach zu weitet sich das Tal. Die Strömung der Werra ist fast überall flott, nur vor den Wehren gibt es natürlich Stau. Aber für uns geübte Kanuten war durchaus die Strecke Hörschel-Eschwege mit ihren 55km an einem Tag „machbar“. Hierzu starteten wir am frühen Morgen und wurden mit sehr frischer Luft und einer Sonne belohnt, die sehr malerisch in den ziemlich dichten Morgennebel schien. Eine bezaubernde Stimmung!

Werralandrallye, Bad Soden-Allendorf – Han.-Münden

Nach den Hörscheler Werratagen und der Protestfahrt gegen das Kalisalz in der Werra war die Werralandrallye nun bereits die 3. Gemeinschaftsfahrt in dieser Woche auf der Werra (macht sich gut im Fahrtenbuch, die Stempel und Aufkleber bilden eine muntere Reihe…).

Eigentlich beginnt die Werralandrallye ja in Eschwege, um 8:00 Uhr früh morgens. Aber wir hatten vor, bis Hannoversch-Münden durchzupaddeln, wo wir bereits Autos vorgebracht und unsere Zelte aufgeschlagen hatten. Also nahmen wir diesmal den „Familienstart“ in Bad Sooden-Allendorf. Auch in diesem Bereich, früher Grenzland zwischen der „DDR“ und der BRD, ist die Werra weiter landschaftlich sehr schön. In Witzenhausen wurde beim dortigen KC Rast gemacht, die Aufkleber abgeholt, und dann die Paddeltour Richtung Weser fortgesetzt.

Hier gibt es noch eine größere Umtragestelle am E-Werk kurz nach der Autobahnbrücke der A7. Aber ein großer Bootswagen hilft zumindest bei Urlaubsgepäck im Boot, diese Stelle ohne allzu große Plagerei zu überwinden.

Und so kamen wir nach 42 km Tagestour wieder in die historische Altstadt von Hannoversch-Münden, dem seit den 70er Jahren bewährten Startpunkt des Wesermarathons. Wir zelteten wie in all den Jahren zuvor auf dem Tanzwerder, der Halbinsel zwischen Werra und Fulda.

Ein Großfeuer weckt uns

Um 6 Uhr am Morgen sollte der Start zum Wesermarathon sein, unsere Wecker waren gestellt, wurden aber nicht benötigt. Noch vor halb fünf weckten uns die Feuersirenen, und das war weder eine Übung noch ein Kanutenweckruf. Lautes Knistern und brechendes Holz machten schnell klar, was wirklich los war: In der Altstadt brannten Fachwerkhäuser. Eine hohe Feuersäule stand über der Stadt, der Funkenflug trieb aber nicht in unsere Richtung. Gleich an zwei Stellen brannte es, für die Feuerwehren ein Großalarm! Mehrere Fachwerkhäuser waren niedergebrannt, bevor die Feuerwehr diese Großfeuer im Griff hatte. Früher sind bei solchen Gelegenheiten ganze Städte niedergebrannt…

Wesermarathon – und die Kreation der „Schnitzelfahrt“

In der KGNO über das Wesermarathon zu schreiben, gleicht dem berühmten „Eulen nach Athen tragen“. Dennoch sei diese Fahrt nicht ganz unterschlagen. Wie schon so oft bezauberte uns die morgendliche Maistimmung auf der Weser, die Mischung aus Morgennebel und Sonne war auch diesmal bei durchaus frischen Temperaturen wieder von bezaubernder Schönheit.

Die Pausen erfolgten in Beverungen und in Holzminden, und bis auf Django und Anton war für den Rest der KGNO-Tradition folgend in Heinsen am Campingplatz nach 90 km Schluß. Bevor Kurt nun Richtung Hannoversch-Münden startete und Albert nach Hameln, um dort die beiden Goldfahrer einzusammeln, gab es noch ein wohlverdientes warmes Essen in Heinsen. Die gute Fee des Campingplatzes, Frau Lücke, machte uns richtig leckere Schnitzel. Und wie wir nun da so draußen an dem Holztisch saßen und diese Schnitzel verdrückten, kam die Idee zu einer zukünftigen KGNO-Fahrt auf: Der „Schnitzel-Fahrt“ auf der Weser bis Heinsen.


Camping Heinsen - bei der Geburt der KGNO-"Schnitzelfahrten"

Also Leute, achtet im Fahrtenprogramm der KGNO darauf, wann diese Fahrt das erste Mal auftaucht. Das wird bestimmt eine tolle Fahrt – bei einem so schönen Fluß und der Aussicht auf so leckere Schnitzel !!!


Wda – ein Paddelfluß vor den Toren von Danzig

Nach so viel „W“ in Deutschland schwenkt der Bericht nun nach Polen, genauer nach Pommern. Dort fließt, noch etwa 100km vor Danzig, die Wda (auch: Czarna Woda, Schwarzwasser) durch die einsamen Wälder der Tucholer Heide und bietet sich für mehrtägige Fahrten an.

Zugegeben, 650km Anfahrt sind kein Pappenstiel. Das bedeutet einen Tag Hinfahrt und einen Tag Rückfahrt. Lohnt sich das??

Klare Antwort: Ja!! Wir haben 4 Tage zum Paddeln mitgebracht, ein oder zwei mehr wären noch besser!

Die Wda ist 198km lang. Ihren Oberlauf kann man auch befahren, doch dafür reichte die Zeit für uns diesmal nicht. So können wir von den ersten 38km bis zur PTTK-Station am Seesystem Wdzydze (dem Kaschubischen Meer) nur vom Hörensagen berichten, dass die Wda hier durchaus reizvoller Kleinfluß ist.

Urlaubsfluß in Einsamkeit, und das zu Pfingsten


Start zur Wda-Fahrt am Kaschubischen Meer

Wir also starten von dieser PTTK-Station, die im Ort Wdzydze ganz am Ende der Straße liegt. Ein sehr großes Gelände, wunderschön an dem großen See gelegen, und das Pfingsten: Alles verträumt – in Polen ist Pfingsten nichts los. Das traditionelle Outdoor-Wochenende ist Anfang Mai, mit 1. Mai und dem polnischen Nationalfeiertag am 3. Mai. Pfingstmontag ist normaler Arbeitstag, so dass zu Pfingsten in Polen kein besonderer Ausflugsverkehr zu verzeichnen ist. Während sich auf der Örtze die Leihboote in langer Reihe den Fluß hinunterquälen, lagern sie hier bei den Bootsvermietern (auch an der PTTK-Station in Wdzydze) und warten auf die Hochsaison. In den vier Tagen unserer Wda-Wanderung haben wir bei bestem Frühsommer-Wetter ganze zwei andere Kajaks gesehen…

Wda: Wdzydze – Czarna Woda

Die ersten 8 Kilometer dieser insgesamt 32 km langen Tagestour führen uns über den Jez. Wdzydze, das Kaschubische Meer. So ganz einfach ist die Orientierung auf diesem herrlichen Seengebiet nicht. Aber mit Hilfe der ausgezeichneten Karten unseres polnischen Wda-Flußführers und meines GPS-Systems kommen wir doch zielgerichtet zum Ausfluß der Wda aus diesem See bei Borsk.

Nach Überwindung des Wehres, das den Wasserspiegel des Kaschubischen Meeres regelt, nimmt uns nun die munter fließende, von der Breite an die Oker oder Örtze erinnernde Wda auf. Aber aufgepasst! Zwei Kilometer nach dem Seeausfluß ist rechts ein Wehr (und der Rahmen eines ursprünglich hier stehenden Hinweisschildes). Wer diesen Abzweig verpasst, und dem breiten Gewässer geradeaus weiter folgt, befindet sich auf dem Wda-Kanal und landet in bewässerten Wiesen. Manch einer hat schon erhebliche Schwierigkeiten gehabt, dann zur Wda zurückzufinden!


Auf der Wda unterhalb von Borsk

Aber nach dem Umtragen des Wehres kommt für uns der „wassertechnisch“ schönste Teil der Wda. Schnelle Strömung, enge Kurven, mitten durch einen Erlenwald – ein herrliches Stück Fluß.

Die Wda zeichnet sich überhaupt durch einsame Wälder aus – und durch vergleichsweise wenige Hindernisse. Sie ist daher leichter zu befahren als z.B. die Brda.

Dom nad Rzeka

Bei Czarna Woda (zu deutsch: „Schwarzwasser“) überquert die N22 die Wda. Dies ist die frühere Reichsstraße Nr. 1 von Aachen nach Königsberg. Gut 1 km unterhalb der Brücke ist am linken Ufer der Campingplatz „Dom nad Rzeka“ (Haus am Fluß). Ein weitläufiges, etwas vom Ort abgelegenes Gelände direkt am Fluß. Der Platz wird von einem Deutschen aus Kiel, der ursprünglich aus Danzig stammt, geführt. Auch dieser Platz war fast leer – so wie der Fluß. Nur ein kleiner Wohnwagen mit einem Geländewagen stand außer uns noch dort. Wie wir schnell erfuhren, war es ein ehemaliger Pilot, der nach seiner Pensionierung auf der Reise nach Sibirien hier zufällig landete und dann mehrere Wochen hier blieb. Nun ist er regelmäßiger Gast auf diesem schönen Fleckchen Erde.


Unübersehbar kündigt das Schild unseren Wasserwanderplatz an

Für uns bot dieser Platz am Fluß alles, was wir brauchten. Neben den Sanitäranlagen (feste Zeiten für warmes Wasser in der Dusche…) vor allem auch überdachte Tische mit Bänken und Platz für Lagerfeuer. Und auf Nachfrage wurde auch das Autoumsetzen zum Zielort sehr praktisch gelöst: Wir ließen alle Autos auf dem Platz, und riefen unseren Platzbesitzer am Ende der Fahrt an, von wo er die Autofahrer abholen konnte. Das war eine sehr angenehme Lösung, da sie uns doch die Streckenlänge offen ließ und alle Sorgen um das Umsetzen löste. Dafür zahlten wir dann auch gerne das vereinbarte Park- und Fahrgeld.

Die beiden Abende boten uns das, was traditionell zu polnischen Kanufahrten gehörte: Lagerfeuer. Und so blieb es auch die nächsten Tage…

Wda: Czarna Woda – Pole Boberek

Unsere große Frage war: Wie lang sollten die Tagestouren sein? Wir sind erfahrene und geübte Kanuten, aber hatten auch Kinder dabei, die nicht den ganzen Tag im Boot sitzen sollten. Unser Danzig-Kieler Campingwart hatte uns den Tip mitgegeben, wir sollten bis zum Biwak Boberek paddeln. Das waren 30km, und die waren trotz längerer Pausen sehr gut zu schaffen. Die Wda fließt hier mit etwa 4 km/h, sie hat kaum Hindernisse, und so konnten wir die Strecke gut schaffen.


Sandhänge an der Wda


Umtragestelle an einem Wehr

Wir kamen an einigen kleinen Orten vorbei, manches Mal war da auch ein Biwak- oder Zeltplatz ausgeschildert. Die Orte waren einsam und ruhig, wie die ganze Gegend. Meist waren wir mit der Vögeln und Tieren allein in der Natur, in Wiesen und Wäldern. Später kamen wir in einen größeren Wald, und der Biwakplatz „Boberek“ lag rechts hinter einer Brücke an einem Forsthaus. Die Empfehlung war sehr gut: Ein sehr gepflegter Platz, mit fast „englischem“ Rasen, Toiletten und Duschen und wieder den typischen Einrichtungen: Überdachte Holztische mit Bänken sowie Lagerfeuerstellen. Wir genossen den schönen Maiabend, und die Kinder konnten vor dem Lagerfeuer erst noch richtig herumtollen.


Wir richten uns auf dem Biwakplatz Boberek ein


Lagerfeuer bei Boberek

Wda: Pole Boberek - Pole Bledno

Am Morgen weckt mich der vielstimmige und laute Gesang der Vögel. Ansonsten völlige Ruhe an diesem herrlichen Fleckchen Erde!! Heute paddeln wir sogar 37km bis Bledno. Wieder haben wir einsame Wälder, wieder haben wir eine fast hindernisfreie Wda.


Und ruhig zieht die Wda dahin

Die Mittagspause machen wir an einem Wehr. Dort sehen wir einen Honda mit gefälschtem deutschen Autokennzeichen – es fehlen die TÜV-Zeichen und der Aufkleber der Zulassungsstelle. Auch das gehört noch zu Polen…


Unübersehbar: Der Biber hat hier sein Revier

Ansonsten ist von diesem Tag nichts aufregendes zu berichten, außer dass Peter vorne weg paddelte und den Zielplatz übersah. So musste er schließlich umkehren und Wda-aufwärts zu uns zurückkommen. Und wir wussten schon, dass am nächsten Morgen einige querliegende Bäume auf uns warteten.

Ein Wort noch zu den Biwakplätzen: Nach 24 km machten wir auf einem Biwakplatz Pause: Das war „Zurawki“ an einer Straßenbrücke, am linken Ufer. Dieser Platz hatte außer einer Feuerstelle und einem Plumpsklo keine weiteren Einrichtungen. Auch unser Platz am Abend war spärlich: Neben einer Feuerstelle Tisch und Bänke überdacht, aber diesmal war hier der Spaten Ersatz für eine Toilette. Ein kurzes Stück flussabwärts folgt ein weiterer, größerer Biwakplatz, aber auch der ohne Toilettenhäuschen…


Der Autor bei der Essenszubereitung

Wda: Pole Bledno – Tlen (PTTK)

Unser letzter Fahrtentag auf der Wda führte uns bis zum Stausee, der beim Ort Tlen beginnt. Das war eine vergleichsweise kurze Tour von 25km. Wie schon bekannt, waren zu Beginn einige Bäume zu überwinden. Deshalb starteten Peter und Albert „der Säger“ etwas früher. Alberts neue Säge kam erfolgreich zum Einsatz: Als die Gruppe ankam, waren zwei der drei Bäume „passierbar“ gemacht, und der dritte soweit von ästen befreit, dass er überhoben werden konnte. Wer das nicht wollte, konnte der mit ästen befestigten Umtragespur im sumpfigen Ufer folgen. Weitere Baumhindernisse in der folgenden Strecke wurden ebenso bearbeitet.


Albert der Säger

Auch in diesem Abschnitt ist die Wda sehr einsam und von herrlichen Wäldern umgeben. Eine Ausnahme bildet der Ort Stara Rzeka („Alter Fluß“), der einem verträumten Almendorf gleicht. Ganz am Ende des Ortes allerdings ein Stilbruch: Ein polnischer Neureicher hat sich hier eine Riesenvilla hingebaut, und auf dem Rasen des äußerst großen Garten fuhr ein Rasenmäher entsprechender Größe herum. Ob das das Zeichen für die Zukunft dieser Region ist? Hoffentlich nicht!!!


Und wieder in der Waldeinsamkeit

Von ein paar Schwänen begleitet erreichten wir den Beginn des Jez. Zurskie. Seine Einfahrt war stellenweise sehr flach. Das führte dann bei einigen, die die Wellen des Sees nicht genau genug beobachtet hatten, zum „Wasserwandern“ im eigentlichen Sinne – zum Schieben des Bootes, im Wasser laufend.


Der Jez. Zurskie bei Tlen

Nach der Straßenbrücke in Tlen (links Gasthof und gute Aussetzmöglichkeit) folgen wir dem rechten Seeufer noch bis um die nächste Landzunge herum. Dort landen wir am Sandstrand des PTTK-Platzes an. Der Platz liegt mit seinen vielen Holzhütten fast unbenutzt da, und wir sind die einzigen Zelt-Gäste. Die Kinder nutzen die herrliche Badegelegenheit gleich zum Baden, die Erwachsenen folgen nach dem Zeltaufbau. Allerdings ist der Aufenthalt im Wasser doch ziemlich beschränkt: Insbesondere etwas weiter draußen ist das Wasser ein bisschen zu frisch.


Ziemlich frisch: Das Bad im See

Unser Campingwart aus Czarna Woda taucht sogar schon vor der vereinbarten Zeit direkt auf dem Platz auf, um die Autofahrer nach Czarna Woda zu bringen. Das erspart uns sogar noch den Fußweg bis zum vereinbarten Treffpunkt. Und so geht eine wunderschöne Flusswanderung zu Ende.

Zum Schluß noch etwas mehr über die Wda

Für diejenigen, die ein bisschen mehr Zeit mitbringen: Fahrt auch den Oberlauf oberhalb Wdzydze, genießt die schönen Seen um das Kaschubische Meer herum. über Tlen hinaus sollte man es sich aber überlegen. Dort soll der Fluß mehrfach aufgestaut sein, und unterhalb der Staumauern ist oft das Wasser abgeleitet. Das klingt dann nicht so gut. Also sollte in Tlen die Fahrt beendet werden.

Geeignete Literatur zur Wda:

DKV-Auslandsführer Band 7 Nordosteuropa, 2. Auflage 2008, S.103ff

przewodnik dla kajakarzy: Wda. Von Zbigniew Galinski, erschienen im Pascal-Verlag, Bielsko.Biala, Polen. Polnischer Flussführer, mit sehr guten Gewässerkarten.

Polen: Kanutouren in Pommern: Drawa, Brda, Wda ("Der Weg ist das Ziel"),
von Dr. Lydia Marhoff & Frank Meyer-Fembach, Outdoor Handbuch erschienen im Conrad Stein Verlag. Deutschsprachige Kurzbeschreibung der Wda mit einer Übersichtskarte.

Tagesetappen Werra, Weser, Wda 2008

Werra- / Weserfahrt 27.04. - 04.05.2008

27.04.08 Werra Hörschel (KC) – Treffurt 34 km

28.04.08 Werra Meiningen – Allendorf-Kloster 38 km

29.04.08 Werra Berka – Hörschel (KC) 26 km

30.04.08 Werra Hörschel (KC) – Eschwege Werdchen 55 km

01.05.08 Werra Gerstungen: Kundgebung „Kali Salz muß raus“

01.05.08 Werra Gerstungen – Hörschel (KC) 22 km

02.05.08 Werra Hörschel (KC) – Mihla 17 km

03.05.08 Werra Bad Sooden-Allendorf – Han.-Münden 42 km
inkl. Werralandrallye

04.05.08 Weser Han.-Münden – Heinsen (bzw. Hameln) 90 km (bzw 135km)

Wda-Fahrt 09.05. - 12.05.2008

09.05.08 Wda Wdzydze (PTTK) – Czarna Woda, Dom nad Rzeka 32 km
(bzw. Borsk - Czarna Woda, Dom nad Rzeka 24 km)

10.05.08 Wda Czarna Woda, Dom nad Rzeka – Pole Boberek 30 km

11.05.08 Wda Pole Boberek – Pole Bledno 37 km

12.05.08 Wda Pole Bledno – Tlen (PTTK) 25 km

Albert



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