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ODRA 2002

von Breslau nach Stettin - 512km Internationale Kanuwanderfahrt,
TEIL 1

Von Albert Emmerich

Nach dem Fahrtenbericht findet Ihr noch eine Etappenübersicht.

Ich wohnte nun schon drei Jahre nur 30km von der Oder entfernt in Polkowice in Niederschlesien, und war immer noch nicht auf ihr gepaddelt. So ging es wirklich nicht weiter, und die Ausschreibung im Sportprogramm des DKV gab im Frühjahr den Anstoß:

Eine internationale Kanuwanderung auf der Oder von Breslau bis Stettin über 512km: Die ODRA 2002.

Daniel entschied sich mitzukommen, und so rollten wir am 28.Juni auf den Campingplatz Sleza (Schlesien) an der Oder in Breslau. An diesem Abend gab es Lagerfeuer und Gesang. Eine bunte Mischung von Kanuten aus Polen und Deutschland hatte sich eingefunden, wobei die deutschen Kanuten fast alle schon im Rentneralter sind??

Wir hatten den Trödel, das gute alte Pouch-Faltboot für diese Fahrt vorbereitet, und sicherheitshalber in Polkowice eine Packprobe mit dem Gepäck für die zweiwöchige Kanuwanderung gemacht. Es passte aber alles hinein.

Am nächsten Morgen stellten wir eine ungewöhnliche Leistung auf: Wir waren die ersten, die fertig gepackt hatten (ich kann nicht das Gerücht bestätigen, dass Daniel ein Langschläfer sei...). So konnten wir in Ruhe der offiziellen Eröffnung der Fahrt entgegensehen.

Eröffnung in Wroclaw / Breslau

Vertreter der Woiwodschaft Breslau, der Universität Breslau sowie des deutschen Konsulates unterstrichen die Bedeutung der Fahrt auch für die Eröffnung in Breslau

weitere Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen. Viele kurze Reden wurden gehalten, und auch übersetzt. Und doch zeigte diese Eröffnung auch, dass eine gemeinsame Veranstaltung von Polen und Deutschen gar nicht so einfach durchzuführen ist: Man vergaß glatt die Organisatoren des deutschen Teils und insbesondere den deutschen Fahrtenleiter Hilmar Schmidt vom LKV Brandenburg in diese Eröffnung einzubeziehen. So gab es dann kurze Zeit später noch eine kleine zusätzliche Ansprache von Hilmar an die deutschen Teilnehmer.

Warten auf die erste Schleuse

Die erste Tagestour sollte über 32 km gehen, mit drei Schleusen und einer Umtragestelle. Die erste Schleuse war gleich nach dem Startplatz, und die Schleusung war für 12 Uhr bestellt. So blieb noch Zeit für eine kleine Stadtrundfahrt durch Breslau per Kanu.

Kurz vor 12 Uhr hatte sich das ganze Teilnehmerfeld von etwas über 100 Kanuten vor der Schleuse eingefunden. Wir mussten nun Geduld üben, denn die Schleusentore öffneten sich erst um halb eins. In der Wartezeit gab es Gespräche unter den Kanuten, wir lernten z.B. Narcyz aus Breslau kennen. Narcyz ist ein rüstiger Rentner, der allein in einem aufblasbaren Zweier auf diese Tour ging.

Westwind

Dieser Tag sollte hauptsächlich Stauwasser bringen – das wussten wir. Den frischen Westwind hatten wir bei unserer Kanurundfahrt durch Breslau schon gespürt. Aber jetzt war es so richtig heftig:

Paddeln bei Gegenwind

Stauwasser und vom Gegenwind zu Schaumkronen aufgepeitschtes Wasser machten diesen ersten Tag gleich zum Härtetest. Dazu muss man vielleicht noch wissen, dass es in Polen durchaus üblich ist, auch Anfänger auf solche Touren zu schicken. Ein großes Kontingent der polnischen Teilnehmer bestand darüber hinaus aus einer Gruppe von Behinderten, für sie war dieser Tag besonders anstrengend.

Ganze 4 Stunden brauchten wir für die ersten 10 km mit den drei Schleusen und der Umtragestelle. Wer glaubte, nun sei nach der letzten Schleuse Strömung zu erwarten, der wurde enttäuscht: Der Rückstau des 22 km entfernten Wehrs in Brzeg Dolny, unserem Tagesziel, reichte bis hierher!

In meinem Tagebuch habe ich notiert: „... keine Strömung, aber heftiger Gegenwind. Es ist sehr anstrengend!“

Erschöpft

Selbst marathonerprobte Kanuten kamen ziemlich erschöpft in Brzeg Dolny am Campingplatz an. Vom Wasser bis zu den Zelten waren es etwa 250 Meter, und so hieß es, die Boote und das Gepäck diese Strecke zu schleppen. Die deutschen Teilnehmer hatten überwiegend Bootswagen dabei, unsere polnischen Kameraden aber nicht: Sie fuhren zumeist mit außerordentlich schweren Leihbooten, und solche Extra-Luxusausstattungen wie Bootswagen waren da nicht dabei. So waren die deutschen Bootswagen auch mit diesen Leihbooten unterwegs – unser Bootswagen war noch nach Einbruch der Dunkelheit im Einsatz.

Unser Zelt stand blitzschnell. Jetzt schnell noch etwas essen, und dann ab in die Koje... Es sollte in der direkt neben dem Campingplatz gelegenen kleinen Kneipe etwas Warmes zu Essen geben. Also zogen wir dahin los. Nur hatte offensichtlich die armen Leute da niemand auf diesen Ansturm vorbereitet. Zusammen mit den Sprachschwierigkeiten gab es dann ein ziemliches Chaos. Gegen 23:00 Uhr bekamen wir endlich unser Essen, und nachdem die meisten Gäste schon längst wieder gegangen waren, lieferte die kleine Küche immer noch weitere Essen. So haben wir denn schließlich nach der anstrengenden Kanutour auch gleich noch zwei Abendessen eingenommen.

Danach versanken wir in einen tiefen, traumlosen Schlaf....

Ein wunderschöner Morgen

Um halbsechs weckte mich die Sonne, die durch den Eingang ins Zelt schien.

Morgenstimmung in Brzeg Dolny

Es war, als ob Petrus uns für seine Gemeinheiten vom Vortag entschädigen wollte: Ein herrlicher Morgen, mit frischer, klarer Luft, kein Wind, die Sonne lachte vom blauem Himmel und dazu ein klarer Badesee direkt am Platz. Gestern hatten wir gar nicht gesehen, wie schön das hier ist!

Auch der angebliche Spätaufsteher Daniel war um sieben Uhr munter, und wir frühstückten und genossen diesen Morgen.

Polnischer Einkauf

Es war ein Sonntagmorgen. Es ging die Aussage herum, im nahegelegenen Ort gäbe es bis neun Uhr noch etwas einzukaufen. Aber der erste Versuch schlug fehl: Der kleine Laden war geschlossen. Doch dann erklärte mir der polnische Fahrtenleiter, ab neun Uhr könne man einkaufen. Also noch ein Versuch.

Tatsächlich war der kleine Laden geöffnet. Nun hatten die deutschen Teilnehmer ein Problem: So ein kleiner Tante-Emma-Laden, da muß man schon sagen, was man haben will. Wenn man doch nur polnisch könnte!! Aber ich konnte doch ganz gut aushelfen, und so bekamen schließlich doch alle all das, um was sie an frischen Dingen ihre Vorräte ergänzen wollten.

Freie Fließstrecke

Die Tagestour startete dann mit einer letzten Schleuse: Nun lag vor uns der freie Oderlauf bis zur Ostsee! Die Oder strömt nun gemächlich, aber sehr gleichmäßig. Sie ist ähnlich wie die Weser mit Buhnen ausgebaut, aber an ihren Ufern steht sehr viel Wald.

Die Gruppe war etwas dezimiert: Etwa ein Drittel der polnischen Teilnehmer hatte aufgegeben. Darunter auch Tomek, der gleich alt wie Daniel ist, und der auch eigentlich die ganze Tour bis Stettin mitmachen wollte. Nun war Daniel der jüngste Teilnehmer...

Um es schon einmal vorwegzunehmen: Die gefürchteten Winde auf der offenen unteren Oder haben wir nicht gehabt, der erste Tag war mit Abstand der anstrengendste der ganzen Fahrt. Nun aber konnten wir bei herrlichem Wetter anfangen, die Fahrt zu genießen.

Gute Organisation

Die Oder hat auf ihrer polnischen Strecke ab Breslau kaum Zeltplätze und nur ein Kanu-Bootshaus. So ist es schon eine besondere Herausforderung für die Organisatoren, für eine so große Gruppe die Zeltmöglichkeiten sicherzustellen.

Zelten in Cigacice

Und da gab es dann auch die unterschiedlichsten Lösungen: Eine Wiese hinter dem Picknickplatz in Scinawa, die Grünflächen eines Verkehrsübungsplatzes in Glogów, dann das Bootshaus in Nowa Sól (Neusalz) mit guten Sanitäranlagen ( warme Duschen !! ), der eingezäunte Platz am Bootshafen von Cigacice (Odereck), das Sportzentrum in Krosno.

Aber nicht nur die Übernachtung war organisiert: Wir erhielten auch abends Verpflegung (auch hier war der erste Tag mit dem überforderten kleinen Restaurant die Ausnahme!). Mal rustikal mit Gulaschkanone und Hähnchen, mal in der Schulmensa eines Internats, und mal mit Essensgutschein in einem kleinen Restaurant.

Auch andere Abwechslungen wurden geboten: Wir sahen in Cigacice die alten Bunker-Anlagen der deutschen Verteidigungslinie an der Oder und erhielten dazu eine sehr eindrucksvolle Schilderung der Tage im Januar 1945, als die Russen hier die Oder überquerten. Oder wir sahen in Krosno ein altes kleines Piasten-Schloß mit einer Ausstellung von Funden aus slawischer Zeit, Büchern aus deutscher Zeit und Bildern des Ortes vor und nach dem Krieg. Weiter wurden Handarbeiten und Kunstwerke von ortsansässigen Künstlern ausgestellt. Die Künstler waren selbst anwesend. Sie hätten wohl gerne auch etwas verkauft, nur waren das alles so hübsche, empfindliche Dinge, die nun wirklich nicht auch noch in unsere ohnehin schon so vollen Boote passten.

Odra

Die Oder bei Nowa Sól

Die Odra , zu deutsch Oder fließt auf diesem Abschnitt bis zur Einmündung der Neiße durch sehr viel Wald. Ihre Strömung bleibt sehr gleichmäßig, besondere Probleme gibt es eigentlich nicht. Nur an den Seilfähren, da muß man schon gut aufpassen. Diese Fähren ziehen zum Teil das Seil aus dem Wasser hoch, und da sollte man mit seinem Kanu nicht hineingeraten!

Pause an einer Sandbank

Viele Sandbänke oder Wiesen am Ufer laden zur Pause ein. Daniel hat sich mehrfach als Sandschloß-Bauer hervorgetan. Oder man legt an einem der in größeren Abständen liegenden Orte an, und bummelt ein bisschen durch den Ort.

Wenn dann auch das Wetter ganz gut mitspielt ( wir konnten mehrfach unsere Regenschirme als Segel aufspannen und uns von Rückenwind treiben lassen ), dann sind die bis zu 60km langen Tagestouren recht gut zu schaffen.

Abschied von der polnischen Trasse

In Krosno gab es am letzten Morgen vor dem Erreichen der deutsch-polnischen Grenzstrecke noch eine große offizielle Verabschiedung der Teilnehmer aus dem polnischen Abschnitt der ODRA 2002. Fernsehen und Presse waren dabei, als der Bürgermeister von Krosno seinen Ort vorstellte, auch einiges über das Tourismusprogramm in Krosno und an der Oder berichtete und uns dann mit viel guten Wünschen auf die weitere Fahrt schickte. Dabei wurde auch offiziell die Fahrtenleitung von Krzysztof, der sehr viel Beifall für seine Organisationsleistung erhielt, an Hilmar übergeben.

Und so starteten wir dann in den zweiten Teil der ODRA 2002, über den wir beim nächsten Mal berichten wollen.

Etappen der ODRA 2002

ODRA 2002 Breslau - Stettin 28.06. - 13.07.2002

29.06.02 Stadtrundfahrt Breslau 3 km

29.06.02 Breslau - Brzeg Dolny 32 km

30.06.02 Brzeg Dolny - Scinawa 51 km

01.07.02 Scinawa - Glogów 61 km

02.07.02 Glogów - Nowa Sól 37 km

03.07.02 Nowa Sól - Cigacice 41 km

04.07.02 Cigacice - Krosno Odrz. 44 km

05.07.02 Krosno Odrz. - Eisenhüttenstadt 45 km

07.07.02 Eisenhüttenstadt - Frankfurt/O 37 km

08.07.02 Frankfurt/O - Kienitz 50 km

09.07.02 Kienitz - Hohensaaten 33 km

10.07.02 Hohensaaten - Schwedt 37 km

12.07.02 Schwedt - Mescherin 25 km

13.07.02 Mescherin - Szcz.-Dabie 27 km

Albert



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