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Nachtfahrt auf Oker und Kanal

Zugegeben, die übliche Zeit in der Kanuten auf dem Wasser sind liegt normalerweise irgendwo zwischen Sonnenaufgang und -untergang, wobei der Startzeitpunkt bei den meisten von uns nicht allzu früh anzusiedeln sein dürfte. Dies hat bekanntermaßen etliche negative Begleiterscheinungen zur Folge, von denen hier nur die erhöhte Sonnenbrandgefahr sowie in den letzten Jahren zunehmend Staugefahr auf beliebten Gewässern (verschärft durch flächendeckende Sperrungen von Alternativgewässern) genannt sein sollen. Um dennoch ein abwechslungsreiches Fahrtenprogramm aufzustellen, welches außerdem potentielle Gefährdungen der Teilnehmer möglichst ausschließen soll, bleibt es dem Wanderwart überlassen nach Ausweichmöglichkeiten zu suchen. Da auch winterliche Jahreszeiten schon seit geraumer Zeit nicht mehr als Hindernis für den Kanusport angesehen wurden (Ausnahme: knüppeldick zugefrorene Gewässer), lag es auf der Hand nunmehr auch die etwas lichtärmere Tageszeit in unsere Aktivitäten einzubeziehen.

Als Termin für die so entstandene Nachtfahrt wurde der 13./14. Juni 1998 festgelegt, da laut Kalender zwei Tage zuvor Vollmond angekündigt war und wir demzufolge bei hoffentlich wenig Wolken noch einiges an natürlicher Beleuchtung genießen konnten. Doch zunächst einmal stand für mich und einige andere aus dem "harten Kern" der KGNO die Arbeit vor dem Vergnügen, denn Martin hatte einen Bootshausreparaturtag just für den 13. Juni angesetzt. Die Sonne war uns nach einigen vorhergegangenen Regentagen gnädig und trocknete das Dach des zweiten Bootshauses, welches seiner Funktion als Regenschutz nur noch sehr eingeschränkt nachgekommen war, gehörig aus. Bei der Entfernung der rund 15 Jahre alten Dachpappe bekam der Begriff "Nachwuchsarbeit" einen völlig neuen Charakter, war doch unser jüngster Anwesender Lennert kaum zu bremsen beim Ziehen alter Nägel und Befestigen der neuen Dacheindeckung.

Pünktlich zum Eintreffen der Fahrtenteilnehmer am frühen Abend war die Dacharbeit beendet sowie das Fundament des ersten Bootshauses durch neue Balken gesichert. Da der Kanusport bekanntermaßen bei den Aktiven erheblichen Appetit erzeugt, wurde als vorbeugende Maßnahme zunächst ein Holzkohlegrill angeworfen. Während die Kohlen allmählich die erforderliche Betriebstemperatur annahmen, war schon einmal Gelegenheit Zelte aufzubauen und Schlafsäcke zu richten, um das zu erwartende Chaos bei Ankunft nach der Fahrt in Grenzen zu halten. Irgendwann war dann auch das letzte Würstchen verspeist, so daß wir uns gegen 21:00 Uhr auf den Weg zum Ölper Wehr an der Oker machten. Die dortige Bootsgasse konnte auch von den Mannschaftskanadiern befahren werden und sorgte für einen recht sportlichen Auftakt mit ersten Nässeschäden an ausgewählten Hosenbeinen.

Da wir uns Mitte Juni recht lange am Tageslicht erfreuen können, starteten wir noch bei recht passablen Lichtverhältnissen und kamen dank eines nicht allzu niedrigen Wasserstandes der Oker auch recht flott voran. Dennoch hatten sowohl Schlag- als auch Steuermann beide Hände voll zu tun, die Großboote sicher um die teilweise recht engen Kurven zu dirigieren, ohne die Ufer unnötigerweise als Bande zu Hilfe zu nehmen. Ab Veltenhof hatte uns aber endgültig die Dämmerung erfaßt und die Büsche und Bäume am Ufer verdichteten sich zu schwaren undurchdringlichen Schemen. Das Gurgeln des pechschwarz glänzenden Wassers um unsichtbare Hindernisse und wie Geisterhände nach uns greifende überhängende Weidenzweige sorgten für eine recht unheimliche Stimmung. Im letzten Dämmerlicht huschten geräuschlos Fledermäuse über unsere Köpfe hinweg und ließen alsbald auch die letzten Stimmen verstummen.

Gerade als eine Weiterfahrt auf der Oker fast unmöglich erschien, tauchte am linken Ufer der Steg der Umsetzanlage am Okerdüker auf und mit vereinten Kräften wurden die drei Kanadier in stockfinsterer Nacht zum Ufer des Mittellandkanales getragen. Es war mittlerweile 23:30 Uhr und über uns wölbte sich ein sternenklarer Himmel. Die Identifizierung einzelner Sternzeichen kam über den allseits bekannten "Großen Wagen" leider kaum hinaus, hier täte beim nächsten Mal eine handliche Sternkarte sicher gute Dienste. Während die meisten nun erst einmal eine kleine Mitternachtsvesper zu sich nahmen, mühten sich die drei Petromax-Besitzer ihren technischen Wunderwerken das auf der Bundeswasserstraße Mittellandkanal vorgeschriebene weiße Rundumlicht zu entlocken. Dies war leichter gesagt als getan, denn gleich bei der ersten Lampe verabschiedete sich der empfindliche Glühstrumpf nach zu heftigen Erschütterungen. Eigener Ersatz war natürlich nicht vorhanden, aber als Retter in der Not konnte Birgi einen zwar eigentlich viel zu großen aber dennoch funktionstüchtigen Ersatz zur Verfügung stellen. Kaum war dieser Schaden behoben schlug der helle Schein der zweiten Lampe in ein dämmriges und rußiges Flammengeloder um. Erst nach geraumer Zeit konnte eine undichte Stelle an der Düse erkannt und der Schaden behoben werden. Mittlerweile wollte auch die dritte Lampe nicht zurückstehen und verweigerte trotz gemeinschaftlicher Fehlersuche hartnäckig ihren Dienst.

So starteten wir also, nachdem das letzte Frachtschiff uns kurz vor Mitternacht passiert hatte, mit reduzierter Festbeleuchtung zur zweiten und letzten Etappe. Das Wasser des Mittellandkanales, welches sonst zwischen den Spundwänden nicht zur Ruhe kommt und den Wassersportler mit oftmals recht ungemütlichen Kreuzwellen in Bedrängnis bringen kann, lag nun als spiegelglatte schwarze Fläche vor uns. Die grünen und roten Positionslichter der im Hafenbereich vertäuten Frachtschiffe waren außer uns die einzigen künstlichen Lichtquellen. Beim Passieren des Hafenbeckens hatten wir dann den ersten Ausblick auf den noch fast vollen Mond, der als große dunkelgelbe Scheibe knapp über dem Horizont hing und nun mit seinem fahlen Licht die bisherige Dunkelheit etwas aufhellte. Auf dem Rest der Strecke bis zum Bootshaus vertrieben wir uns die Zeit mit dem Erzählen phantastischer und unheimlicher Geschichten. Gegen 1:00 Uhr nachts erreichten wir unser Hauptquartier und bemühten uns mit möglichst wenigen Geräuschen (die umliegenden Häuser waren alle schon verdunkelt) in unsere Schlafsäcke.

Obwohl die Sonne schon recht früh wieder auf die Zelte schien, war an ein zeitiges Aufstehen am Sonntagmorgen natürlich nicht zu denken. Dennoch trieb mich alsbald die Sonne an die frische Luft, und da sich Nils zuvor als ortskundig erwiesen hatte, wurde er kurzerhand für Pfadfinderzwecke zum nächsten Sonntagsbäcker rekrutiert. Das anschließende gemeinsame Frühstück an langer Tafel vor dem Bootshaus bei strahlendem Sonnenschein bildete den krönenden Abschluß und wird den insgesamt 17 Teilnehmern der 1. KGNO - Vereinsnachtfahrt wohl in recht angenehmer Erinnerung verbleiben.

Reinder van der Wall

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