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Homo Kanutus

Die Gerüchteküche brodelte, immer wieder trafen Meldungen über frische Fährten und sogar leibhaftige Begegnungen ein. Selbst Fotografien sollten schon gelungen sein, aber (seltsame Parallele oder Zufall?): alle Aufnahmen waren unscharf, verwackelt oder falsch belichtet. Da reifte auch in uns der Entschluß, eine Expedition auszurüsten und uns auf seine Spuren zu heften.

Von wem hier die Rede ist? Nein, nicht vom Yeti und auch nicht vom Ungeheuer von Loch Ness, sondern vom Homo Kanutus, dem echten oder gemeinen Kanuten, der saubere, natürliche Flüsse liebt und sich in und mit der Natur am wohlsten fühlt. Zunehmende Verschmutzung und Gewässerverbauung hatten ihn zunehmend ins Abseits gedrängt. In Einzelfällen soll es nach unbestätigten Meldungen regelrechte Verfolgungen gegeben haben, nach denen dem Homo Kanutus durch offizielles Dekret der Behörden der Lebensraum Gewässer aberkannt wurde.

Derart in die Enge gedrängt, wich der Homo Kanutus in immer entlegenere Gebiete zurück, wurde sogar, da die heimischen Reviere zerstört wurden, mehr und mehr im Ausland gesichtet.

Doch wir hatten einen ganz heißen Tip bekommen, zwischen Elbe und Weser, an dem kleinen Flüßchen Geeste, sollte noch ein einsames versprengtes Exemplar vorkommen. Nach intensiver Vorbereitungszeit und mühsamer, mehrere Tage währender Anreise auf eigenem Kiel erreichten wir schließlich unser Zielgebiet.

Doch zunächst war keine Spur zu finden, flaches Land bis zum Horizont und kaum eine Versteckmöglichkeit für ein derart gejagtes Lebewesen. So legten wir uns nach einer ausgiebigen Pausenmahlzeit ins sommertrockene Gras um dösenderweise unser weiteres Vorgehen zu beratschlagen.

Auf einmal fiel ein Schatten auf mich und ich traute meinen Augen kaum. Da stand er vor mir, der leibhaftige Kanute: sonnengebräunt, vom Wind zerzaustes Haar und das Paddel fest im Griff. Kein Wort sagte er und schaute nur sehnsuchtsvoll nach den letzten verbliebenen Gewässern aus.



Vorsichtig zückte ich meine Kamera, vermied jede schnelle Bewegung, um ihn nur ja nicht zu erschrecken. Endlich, nach bangen Minuten, hatte ich ihn im Sucher und drückte auf den Auslöser. Das ‘Klick‘ des Kameraverschlusses blieb nicht ohne Folgen: So plötzlich, wie er gekommen war, war der Homo Kanutus wieder verschwunden, denn er steht nicht gern im Rampenlicht, sondern sucht vielmehr Ruhe und Erholung in der Natur. Nur von Ferne hörte ich noch ein leises Plätschern vom Paddel. Ich selbst komme seit diesem Erlebnis nicht mehr los vom Kanu und bemerke neulich mit Verwunderung einige Anzeichen eines Homo Kanutus an mir. Also Vorsicht, vielleicht gibt es einen ansteckenden Kanu-Bazillus!

R.v.d.W.

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