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Elbe satt

Um zur Elbe zu kommen, muß ich erst einmal bei der Weser anfangen. Das diesjährige Weser-marathon ist einigen KGNO-lern ja wohl noch in guter Erinnerung. Immer wieder beeindruckend ist der Massenauftrieb von rund 3000 Wassersportlern, die ein optimales Betätigungsobjekt für Feld-studien vergleichender Boots- und Paddlertypologien abgeben.

Zur Fahrt selber ist kaum noch viel zu sagen, da wurde ja auch an anderer Stelle bereits ausgiebig berichtet. Dieses Jahr war's halt angenehm temperiert, dabei ein wenig luftig und ehe man sich's versah hatte man sich die 135 km nach Hameln hinuntermeditiert und dabei doch glatt das Aussteigen zwischendurch vergessen. Also auf zu neuen Ufern respektive Flüssen!

Dankenswerterweise haben die Vereine Börde Magdeburg und KC Meißen es sich zur Aufgabe gemacht, hier eine echte Alternative zu bieten: den Elbe-Mammut-Marathon an zwei Tagen über insgesamt 243 km. Nun wäre diese Strecke an sich wohl auch in 24 Stunden zu schaffen, so daß man gar nicht auf eine Übernachtung angewiesen wäre, aber schließlich soll die Geselligkeit ja nicht zu kurz kommen. So reisten dann am 24.06.94 Oli, Thomas und ich per Bahn nach Meißen, um uns dort mit unserem 4. Mann, Jochen aus Magdeburg zu treffen. Insgesamt versammelte sich eine erwar-tungsfrohe Gruppe von 35 km-hungrigen Kanuten, von denen einige zum warmfahren bereits die

77 km von Schmilka heruntergepaddelt waren, um vom Fahrtenleiter die frohe Botschaft der zu erwartenden Anstrengungen zu vernehmen.

Nach wohlverdienter Nachtruhe versammelten wir uns kurz nach 4:00 Uhr zum gemeinsamen Müsli-Schlemmer-Stärkungsfrühstück. Offizieller Start war um 5:00 Uhr, wir legten jedoch erst um

5:20 Uhr ab, um die ersten Sonnenstrahlen, die daß Gemäuer der hoch über Meißen thronenden Albrechtsburg orange verfärbten, zu genießen. Außerdem sorgten die vor uns fahrenden Kanuten für eine andauernde Motivation, hatte man doch immer wieder mal einen zum ein- und überholen.

Im Gegensatz zum Wesermarathon hatte die Organisation diesmal für reichlich Sonne gesorgt, mit über 30 °C im Schatten (doch wo war der Schatten?). Dazu gab's leichten Rückenwind, der sich meist so genau dem Fahrtentempo anpaßte, daß wir quasi immer in Windstille fuhren.

Zunächst begleiteten uns rechts und links am Ufer noch die Weinberge Meißens, die jedoch schon bald an Höhe verlieren und sich nur noch gelegentlich zu einem kleineren Steilufer aufraffen können. Ansonsten erstreckt sich am Ufer Weideland, immer wieder von Baumgruppen oder prachtvoll entwickelten Einzelbäumen unterbrochen. Ortschaften liegen nur vereinzelt am Ufer und bieten immer wieder einmal eine willkommene Abwechslung für's Auge.

Aufpassen muß man lediglich bei den Fähren, die als Gierfähren an einem langen Stahlseil im Fluß verankert sind. Um im Prinzip zwar mögliche, unter Umständen aber stressige Überfahrungen dieses mit Bojen markierten Seiles zu vermeiden, sollte man daher rechtzeitig beobachten, ob die Fähre wohl am Ufer bleibt, oder doch noch vor einem überzusetzen gedenkt.

Jochen und ich waren als Leidensgenossen in einer Zweiermannschaft einander ausgeliefert, hatten schon recht bald unser Tempo gefunden, welches dank moderner Meßtechnik und hervorragender km-Beschilderung am Ufer recht bald zu 12 km/h bestimmt wurde. Da galt es nun die Strecke bis zur ersten Pause in Torgau (nach gut 70 km) vernünftig einzuteilen und den letzten vorausfahrenden erst kurz zuvor zu überholen - wo sollten wir sonst unsere Motivation hernehmen, wenn es keinen mehr zu überholen gäbe?

Nach ausgiebiger 2-stündiger Mittagsrast, die wir der Sonne wegen auf einer schattigen Parkbank zelebrierten (endlich wieder sitzen!), ging es auf die Nachmittagsetappe von 57 km nach Lutherstadt Wittenberg. Landschaftlich wurde es nun doch etwas eintönig, allerdings konnten bereits etliche idyllische Übernachtungsplätze für zukünftige Kurzetappenfahrten erfaßt werden. Fast überall befinden sich zwischen den Buhnen Sand- und Kiesstrände die einen geradezu zum Anlanden verführen wollen, und wenn das Wasser nicht immer noch so dreckig wäre, ließe es sich wohl auch gut baden. Wir beschräckten uns jedoch mehr auf die Beobachtung der Tierwelt, die im wesentlichen aus Störchen, Graureihern und vor allem Unmengen von Kiebitzen bestand.

Nach 11 Stunden reiner Paddelzeit legten wir am Etappenziel beim ESV Lok Wittenberg an und gönnten uns die wohlverdiente kalte Dusche. Bei einem bunten Reisteller und Ersatz der reichlich ausgeschwitzten Flüssigkeit klang der Abend relativ schnell aus, schließlich sollte am nächsten Tag ja wieder um 5:00 Uhr Start sein, d.h. eine Stunde vorher aufstehen.

Ab Wittenberg dominierten ausgedehnte Wälder die Elbufer, nur sporadisch unterbrochen von einigen größeren Ortschaften mit Industrieansiedlungen. Diesmal lockte das Etappenziel bereits nach nur 112 km in Magdeburg mit Mittagsrast in Aken nach 63 km.

Schon kurz nach dem Start wurden wir von einem Biber am Ufer darauf aufmerksam gemacht, daß in den unberührten Auwäldern dieses Abschnittes noch viele, auch mittlerweile sehr selten gewordene Arten wie z.B. der Schwarzstorch noch einen Unterschlupf haben.

Unser körperlicher Zustand war nach gegenseitigem Bekunden noch hervorragend, was aber bei näherer Betrachtung auch kein Wunder war. Schließlich hatte Jochen sich bei der Wahl des Paddels auf ein recht leichtes Exemplar mit schmalen Blättern (sog. "Kinderpaddel") festgelegt, so daß der zu überwindende Wasserwiderstand beim Durchziehen des Paddels sich in Grenzen hielt. Ich hatte dagegen dafür gesorgt, daß genügend Energiereserven in Form von Körpermasse vorhanden war, die nun aber auch zusehends insbesondere als Schweiß wieder abgebaut wurde.

Das Biosphärenreservat "Mittlere Elbe", das gleich nach der Mittagspause unterhalb von Aken durchpaddelt wurde, bildete noch einmal einen Höhepunkt der Fahrt. Kaum vorstellbar, daß fast alle unsere Flußlandschaften einmal so oder zumindest so ähnlich ausgesehen haben.

Die letzten Kurven und km bis Magdeburg waren dann auch noch recht flott hinter uns gebracht, und beim Bootshaus des KC Börde Magdeburg trudelten allmählich und mit Abstand die einzelnen Fahrer ein. Auf Befragen beteuerte natürlich jeder, es gehe ihm bestens - die Hände und Gesichter ließen jedoch durchaus Spuren der vergangenen zwei Tage erkennen.

Nach dieser Fahrt kann ich das Elbe-Mammut-Marathon nun aus eigener Anschauung durchaus dem Liebhaber langer Strecken empfehlen, wobei das Wetter natürlich immer eine entscheidende Rolle spielt. Diesmal lähmte die sengende Sonne noch so manche Kräfte (mir war es ca. 10 °C zu warm), andererseits kann diese Veranstaltung bei kräftigerem Gegenwind noch einiges an Sportlichkeit gewinnen. Und wem 243 km an zwei Tagen noch zuwenig sind, dem bieten sich weitere vergleich-bare Etappen bis nach Hamburg oder Cuxhaven an - viel Spaß!

Reinder

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