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Fahrtenbericht Apennin

vom 24.03. bis 08.04.2000

Frühjahrswildwassertour in Nordwestitalien mit Oli, Jochen und mir (Marcel).

Fotos zum Fahrtenbericht

Die ursprünglich geplante Wanderfahrt im Süden fällt flach, so entschließen wir drei uns für eine Wildwassertour im Tessin und/oder Norditalien, evtl. Korsika oder Südfrankreich. Man ist ja flexibel.
Bei schönstem Hochwasser in Braunschweig und ganz gutem Wetter begeben wir uns auf die Reise.
Wir wären gerne zu etwas späterer Jahreszeit gefahren - wo es in den Alpen wärmer ist und mehr Wasser gibt, doch meine Vorlesungen fangen in gut zwei Wochen wieder an.

1. Tag
Ich hole Jochen vom Bahnhof ab; wir fahren zu Oli und packen zusammen den Bus: Gepäck, 3 Topos, mein Fahrrad.
Wir fahren bis nach Augsburg zur Familie Fuchs, Jochens Verwandten (richtig, die Paddeln auch und fahren Slalom im Eiskanal).

2. Tag
Wir fahren mit Werner zur Breitach. überall liegt noch Schnee, Skifahrer sind noch unterwegs. Wir planen, kurz vor der Klamm auszusteigen und die Boote auf dem Schnee hoch zum Parkplatz zu ziehen - es wäre anstrengend geworden, denn dies war es schon ohne Boote bei der Besichtigung, doch es ist leider zu wenig Wasser im Bach.
Wir fahren weiter zur Bregenzer Ache, befahren eine 17 km lange Strecke. Als wir einsteigen, kommen gerade ein paar Langläufer auf der Läupe entlang. Irgendetwas sagt mir, daß mir nicht zu warm werden wird. Da es schon 16:15 Uhr (auch noch Winterzeit!) ist, können wir uns nicht viel Zeit lassen.
Es ist ein leicht zu befahrender Fluß, an wenigen Stellen verblockt, auch das "Nadelöhr" kann gefahren werden (keine große Schwierigkeit aber eine blöde Walze, in die man nicht hineingeraten will), nur einige Wehre müssen wir umtragen. Jochen, der Simulant, hat sich irgendwo den Arm gestoßen, paddelt aber trotz eines blauen Flecks ganz tapfer weiter.
Noch an der Ausstiegsstelle übernachten wir bei Sternenklarem Himmel im Bus auf der Ladefläche. Werner fährt wieder nach Hause.

3. Tag
Am nächsten Morgen gibt es Dauerregen - wir fahren also weiter ins Tessin. Oli sagt: "... und wenn wir dann durch den Tunnel fahren, ist auf der anderen Seite strahlender Sonnenschein und es ist ganz warm".
Wir fahren durch viele Tunnel, nach einem besonders langen frage ich: "Und, war das der Tunnel?" - "ja".


so war das Wetter nicht geplant

Das Wetter ist jedoch unverändert.
An der Grenze nach Italien werden wir kontrolliert - liegt das vielleicht an Jochens schicker Mütze mit den drei Bommeln??!! (Die hat er ganz vergessen, abzusetzen).
Wir fahren zur Versasca (Lago Maggiore): Es ist viel zu wenig Wasser im Fluß und schlechtes Wetter (Dauerregen).


kein Wasser :-(

Der Entschluß, weiter Richtung Süden zu fahren, fällt nicht schwer.

Jochen war schon mal in den Apennin,
da fahren wir nun hin.

Nach Bobbio, in der Nähe von Genua,
nur Wasser ist leider auch nicht viel da.

Hey, das reimt sich ;-)
Doch immerhin, die Sonne scheint hier, wenn auch viele Wolken zu sehen sind.

4. Tag
Es regnet etwas, manchmal scheint sogar die Sonne! Wir fahren 9 km den Aveto vom Kraftwerksauslaß bis zur Trebbia, auf der wir weitere 13 km bis zum Zeltplatz paddeln. Es ist sehr schön und ich friere mir einen ab, es ist eben Trockenanzugwetter. Oli und Jochen haben einen. Ich nicht.
An einer Stelle gibt es ein Wehr und parallel dazu einen Tunnel, wo die Hauptströmung auch ganz kräftig reinzieht. Der Tunnel wurde wohl in den Berg gesprengt, um das Wehr zu bauen. Jochen fuhr schon das letzte Mal, als er hier war, durch den Tunnel, der mitten im Berg einen 90-Grad-Knick macht. Bei einer Länge von etwa 100 Metern ist es da ganz schön dunkel drin, man sieht also nix.
Letztes Mal war sich Jochen sicher, nicht hängen zu bleiben, da auch die Rafts regelmäßig dort durch fuhren. Jetzt ist aber noch keine Raft-Saison, also lassen wir es lieber. Wie sich später durch Befragung eines Einheimischen herausstellen wird, ist dies eine gute Entscheidung.
Wir wählen also das Wehr, in dem ein knapp ein Meter breiter Spalt ist, durch den der ganze Fluß schießt, doch der ist ziemlich klemmgefährlich, so daß Jochen und Oli von der Wehrkante rutschen.


Jochen ist noch etwas skeptisch


perfekte Eintauchphase

Da es vier Meter sind und ich nicht naß werden will (mir ist wie erwähnt ziemlich kalt), benutze ich einfach einen Riß in der Wehrmauer, so daß ich ganz bequem einsteigen und durch den Riß paddeln kann.
Am Zeltplatz angelangt schnappe ich mir mein Fahrrad und hole den Bus; Jochen und Oli essen inzwischen eine Pizza im Dorf...
Wir entscheiden uns, länger in Bobbio zu bleiben. Die Nacht ist sternenklar und daher auch recht frisch. Oli und Jochen schlafen diesmal im Zelt, ich im Bus, so haben wir alle endlich wieder etwas Platz.

5. Tag
Heute suchen sich Jochen und Oli den mittleren Aveto aus. Dazu ein Zitat aus dem Buch "Wildwasserspezialitäten Italiens": "... eine Wildwasserstrecke, die alle Wunschvorstellungen des Extremen in den Schatten stellt. Hohe Steilabfälle mit diffizilen Einfahrten..." usw.. Obwohl ich nicht so begeistert von diesem Text bin, will auch ich mitfahren.
Am Stausee angekommen, ertönt eine Sirene - ach ja, überall am Straßenrand stehen Schilder, die vor plötzlichen Flutwellen warnen - hmmm, drehen die jetzt richtig auf?
Oli und Jochen gehen zum Gebäude am Staudamm, um dies zu erfragen, doch das war nur ein Probealarm. Wir bringen nun das Fahrrad an die Ausstiegsstelle und fahren wieder hoch zur Staumauer. Ein Dauerregen setzt ein und ich verliere ganz schnell die Lust, zu Paddeln - wie vielleicht schon erwähnt, war mir am Vortag auch ohne Regen schon ziemlich kalt.
Jochen und Oli fahren also los, ich begleite sie oben an der Straße. Dies geht erst auch ganz gut, jedoch ist die Straße bald hoch über dem Fluß, dieser ist daher kaum mehr einsehbar. Nach 15 Minuten verliere ich sie aus den Augen, denn die beiden brauchen manchmal eine Viertelstunde zum Besichtigen oder Umtragen, was ich nicht sehen kann.
Wenn ich dann mit dem Bus ein paar hundert Meter weiter fahre und irgendwann eine Stelle gefunden habe, von der ich den Fluß etwas einsehen kann, bin ich mir nicht so ganz sicher, ob sie schon vorbeigefahren sind.
Ich fahre zum Ziel (und ein bißchen hin und her) und, bewaffnet mit dem Regenschirm, setzte ich die Suche zu Fuß fort. Aus dem Busfenster macht sich das nämlich während der Fahrt nicht so gut, dauernd in die Schlucht zu gucken und nach Paddlern zu suchen.
Erst viel später sehe ich sie wieder. Für die acht Kilometer brauchen sie gut vier Stunden und sind hinterher auch ziemlich fertig. Oft waren die Stellen schwer zu umtragen, Jochen ist zweimal geschwommen. Wir sind alle froh, daß ich nicht auch mit war.
Der Dauerregen geht im großen und ganzen bis zum nächsten Morgen weiter.

6. Tag
Heute ist der obere Aveto an der Reihe. Ich bekomme Jochens alte Trockenjacke (wie auch den Rest des Urlaubs) und mir ist nicht mehr (so) kalt. Trotzdem: am Einstieg haben wir gerade die Schneegrenze erreicht, es ist etwa vier Grad Celsius "warm". Viele Sträucher und Bäume stehen im Fluß, das Wasser ist schön sauber. Die 14 km legen wir in knapp zwei Stunden zurück, vereinzelt scheint sogar die Sonne. Die Schneebedeckten höheren Berge sieht man im Hintergrund.
Ich setze wieder mit dem Fahrrad um, wobei es etwas hagelt. Auf der Rückfahrt zum Zeltplatz sitzt Oli mal hinten im Bus. Die Rücksitzbank ist übrigens andersrum eingebaut, da wir ja hinten bequem schlafen wollen. Jedenfalls wird ihm bei der kurvigen Fahrt schlecht (so schlimm bin ich doch gar nicht gefahren?), also machen wir etwas Pause. Die nutze ich, um endlich etwas zu Trinken, denn das habe ich dummerweise schon den ganzen Tag nicht getan. Ich nehme an, es liegt am kalten Apfelsaft, jedenfalls ist mir kurze Zeit später auch schlecht.
Das finden Oli und ich ziemlich witzig; Jochen fragt sich allerdings, mit was für Waschlappen er im Urlaub ist.

7. Tag
Sonne! Es ist etwas windig und knapp über dem Gefrierpunkt, aber die Sonne scheint meistens. Wir fahren die obere Trebbia.
Auf der Hinfahrt treffen wir zwei andere Paddler (Italiener), die jedoch eine andere Strecke fahren wollen.
Wir sind diesmal früh auf dem Wasser (halb zwölf) und machen auf der 22 km langen Strecke eine schöne Mittagspause. Wir haben wenig Wasser, es ist aber ausreichend, Jochen spielt sogar in einer Walze und schafft einen überschlag (mit anschließender Rolle).
Heute trampt Jochen, um den Bus zu holen.
Jochen ist wegen des Sonnenscheins enttäuscht und hofft auf Regen und mehr Wasser in den Flüssen.

8. Tag
Wir fahren heute genau dort weiter, wo wir gestern aufgehört haben, und Paddeln bis zu einem Sportzentrum, wo man Paddeln, Raften, und Fahradfahren kann, sowie Canoningtouren unternehmen kann. Martino, der Chef (halblange, blondgefärbte Haare, Cap falschrum auf, eben ein Sunnyboy) ist echt nett. Er gibt uns einen Paddeltip (Ceno) und leiht uns sogar sein Auto zum Holen des Busses. Von ihm erfahren wir auch, daß der Tunnel noch mit Holz verblockt ist.

9. Tag
Heute ist normales Wetter: überall blauer Himmel über den Wolken und Jochen hat sogar ein T-Shirt unter der Fleecejacke an!
Wir verlassen Zeltplatz und Tal über die Pässe auf teilweise sehr kleinen Straßen. Einmal fahren wir uns beinahe in einem Dorf fest: die Straße wird immer kleiner, schließlich landen wir auf einem Hof; Oli schafft es gerade so, mit zwanzig Zügen zu wenden. Wir fahren zum Ceno; der Flußführer dazu: "sehr schweres WW". Hmmm...
Von den insgesamt zehn Kilometern sind die ersten beiden fast langweilig und wir haben sehr wenig Wasser. Doch dann rauscht es verdächtig hinter einer Kurve. Wir steigen aus und entscheiden uns schnell, den etwa sieben Meter hohen Wasserfall nicht zu fahren. Besonders so ein großer Stein in der Mitte sieht ziemlich ungesund aus.
Nun geht es richtig los. Es folgt mein bisher schwerstes Wildwasser. Für die Strecke brauchen wir vier Stunden, da wir sehr oft aussteigen müssen, um die Strecke zu besichtigen oder Stellen zu umtragen.


Jochen kentert...


... und rollt wieder hoch!

Ich falle bei einem Katarakt mit dem Arm auf einen Stein, verletze mich jedoch zum Glück nicht. Jochen kentert vier Meter weiter, also nach der Verblockung in einer Mini-Walze und steigt aus (Tschuldigung Jochen!). Er hat sie wohl übersehen und wurde etwas überrascht.


Panorama-Ansicht von dieser Stelle im neuen Fenster

(Java muß aktiviert sein!)

Als wir endlich ankommen ist es schon ziemlich spät, ich hole den Bus mit dem Fahrrad, Jochen hat diesmal kein Glück beim Trampen. So kämpfe ich mich eine wirklich fiese Straße hoch, da die Steigung einfach nicht aufhören will und nach jeder Kurve zu sehen ist, wie hoch ich noch radeln muß. Die letzten zehn Minuten gehts dafür bergab - ich bin annähernd so schnell wie das Auto vor mir, da ich viel besser durch die Kurven komme.
Es ist schon dunkel, als ich zurückkomme; wir übernachten nur wenige hundert Meter von der Ausstiegsstelle. Es ist wieder ein toller Sternenhimmel. Wir schlafen mal wieder alle im Bus, aber wenn man müde ist...

10. Tag
Im Taro ist sehr wenig Wasser, nur Oli und ich fahren heute, da Jochens Rippe schmerzt. Es ist schönes Wetter und richtig warm (ca. 10 Grad Celsius), so daß es gar nicht mehr so schlimm ist, in die nassen Klamotten zu steigen. Das erste Drittel ist leicht, dann folgt eine schöne Schlucht. Ziemlich am Ende will Oli hinter einer größeren Stufe ein Foto von mir machen, kentert bei der Fahrt zur Fotostelle direkt vor einem angespülten Felsen. Da er nicht weiß, ob dieser unterspült ist, steigt Oli aus.
Jochen steht zwar am Ufer, hat dies jedoch verpaßt, da er gerade zu mir geschaut hat. Für alle nicht eingeweihten: Jochen wartet seit vielen Jahren darauf, Oli aussteigen und schwimmen zu sehen.
Wir entscheiden uns ziemlich spontan, jetzt zum Mittelmeer zu fahren; es sind nur noch 45 km, Jochen sucht die kürzeste Strecke auf der Karte - also los! Ich meine noch nur so, er sollte lieber die schnellste, nicht die kürzeste Strecke suchen. Jochen beachtet leider nicht die Höhenlinien und die damit verbundenen Serpentinen der Straße.
Als wir von der großen Straße auf eine kleine abbiegen, wird klar, daß die Topographische Karte, auf der beide Straßen gleich dick eingezeichnet sind, vielleicht nicht so ganz optimal ist, aber wir fahren weiter. Die Straße geht steil hoch und sieht so aus, als ob sie bald aufhört. Tut sie auch, na ja, jedenfalls der Asphalt hört auf, die "Straße" geht weiter. Wir entschließen uns, es mal zu probieren, es ist ja trocken und eine offizielle Straße. Es steht dort auch ein Schild auf dem irgendwas von Panoramastraße steht (den Namen hat sie auch verdient, teilweise ist ein super Panorama der umliegenden Schneebedeckten Berge zu bewundern). Der einspurige Feldweg, auf dem wir nun durch den Wald fahren, ist manchmal von größeren ästen versprerrt, die Jochen wegräumt.
Es wird immer schlimmer, teilweise liegt nun auch Schneematsch auf dem Weg, was für die Traktion nicht gerade förderlich ist. Bei einer ausgedehnten Pfütze fahren wir noch einmal etwas zurück und mit Schwung durch - zum Glück kommen wir auch auf der anderen Seite und auf dem Weg wieder an. Ab und zu gibt es Kreuzungen mit anderen Feldwegen und wir haben absolut keine Ahnung, welches der richtige Weg ist (Jochen tut als Kartenleser wenigstens noch so). Wir haben uns also mitten in Italien auf einem Berg in einem Wald total verfahren, sind uns jedoch einig, nicht den ganzen Weg wieder zurückzufahren. Irgendwann kommen wir auf einen asphaltierten Weg; wir fahren nach rechts und kommen auf einem Hof irgendwo im Berg an (wo der Weg endet).
Für den Bewohner ist es wohl ein witziges Bild, so oft kommt wohl doch kein Bus mit drei Topos auf dem Dach vorbei. Wir wenden auf der Wiese am Hof und kommen schließlich nach einer guten Stunde wieder zurück zu einer richtigen Straße, witzigerweise genau dort, wo Jochen es geplant hatte. Wenn Straßen auch in Schwierigkeitsstufen eingeteilt werden würden, wäre das mindestens eine fünf plus gewesen (sechs = Grenze der Befahrbarkeit).
Zum Mittelmeer ist es immer noch eine ganz schön weite Strecke. Wir fahren auf einen Zeltplatz am Meer, es sind 15 Grad Celsius!!

11. Tag
Mit dem Sonnen am Strand wird es nichts, es ist bedeckt und nur noch 12 Grad Celsius warm. Wir fahren mit dem Zug wenige Kilometer zu den "Cinquterre", fünf pitoreske Dörfer an den Berghängen direkt am Meer. Wir wandern von Dorf zu Dorf. Der Wanderweg ist meist ein Pfad, wobei man dem Gegenverkehr nur ausweichen kann, indem man sich irgendwo am Rand gegen den Berghang drückt. Eine Verbindung zwischen zwei Dörfern ist unterbrochen: ein Weg oben am Hang ist gesperrt, der unten leider auch. Wir nehmen schließlich den unteren, sonst hätten wir mit dem Zug fahren müssen.

Der Weg geht meist zwischen den Gärten oder Weinbergen der Anwohner entlang. Die Aussicht ist sehr schön, allerdings ist sie bestimmt besser, wenn es nicht so diesig ist...


bei Sonnenschein bestimmt sehr schön

Es ist schon ziemlich viel los, im Sommer möchte ich dort wohl nicht hin.
Da wir noch kein Brot gekauft haben und der Lebensmittelladen im Dorf erst wieder um 17:00 Uhr aufmacht, müssen wir wohl oder übel eine Pizza essen.


die Dorfbewohner konnten sich nicht auf eine Farbe einigen

Auf der letzten Strecke fängt es an zu regnen. Wieder zurück am Campingplatz brechen wir schnell auf, denn der Campingplatz ist nicht gerade billig.

12. Tag
Wir paddeln die Vara, 18 km. Es sind wieder nur 10 Grad Celsius. Die Schlucht ist schön, diesmal müssen wir auch wieder auf Holzblockaden aufpassen.
Während ich den Bus holen fahre, hängt Oli am Ausstieg unsere Jacken an einen Müllcontainer zum Trocknen. Beim einpacken der Jacken übersehe ich meine Neopreenjacke, die wohl auf der Rückseite des Containers hängt. Abends auf einem Parkplatz, wo wir übernachten, bekommt Jochen einen starken Keine-Lust-mehr-Anfall.

13. Tag
Wir wollen den Taverone fahren. Meine Neopreenjacke ist weg... Der Einstieg ist äußerst mühsam, einen steilen Abhang hinunter, der mit Dornenbüschen bewachsen ist - gefährlich für die Trockenanzüge!
Wir kommen bald in die wunderschöne Schlucht mit z.T. sehr steilen Felswänden wo ich meinen letzten Film verknipse. Es gibt einige anspruchsvolle Stellen. An einer solchen vergißt Oli seinen Wurfsack, was ihm aber erst nach kurzer Zeit auffällt. Oli und Jochen klettern mühsam am Berghang zurück und retten den Wurfsack. Auf dem Rückweg lassen sie sich im Wasser mit der Strömung treiben.
Die Schlucht öffnet sich etwas und fast am Ziel angelangt befindet sich ein fünf Meter hohes Wehr mitten im Fluß, von dem auch nichts im Flußführer steht. Das Unterwasser ist tief, es gibt fast keinen Rücklauf, die Wand geht 90 Grad nach unten, also optimal. Mir will einfach kein Grund einfallen, das Wehr nicht zu fahren. Das tragische: Oli und ich haben unsere Filme schon voll. Ich ärgere mich ziemlich, aber Oli tröstet mich: "Ist ja nur ein Wehr". Ich fahre als letzter, boofe und komme viel zu flach auf dem Wasser auf - nicht gerade gut für die Wirbelsäule.


und dabei habe ich schon auf dem 3-Meter-Brett Angst...

Bei der Rückfahrt müssen wir von der Ausstiegsstelle mit dem Bus durch eine ziemlich enge Hausdurchfahrt hindurch. Wir winken Oli vorsichtig weiter, doch er fährt sich tatsächlich mit dem Bus in der Durchfahrt fest. Da hilft nichts, er muß zurück.


Faulheit wird bestraft

Nachdem ein Boot abgeladen ist, paßt es aber.
Nach einer Stunde Fahrt über einige Pässe zum nächsten Fluß entdecken wir großflächig blauen Himmel und Sonne! Doch die Wolken bringen wir gleich mit. Wir gönnen uns mal wieder einen Campingplatz. Wir sehen uns nach langer Zeit mal wieder im Spiegel. Die Haut unserer Gesichter und Hände ist inzwischen ziemlich trocken und mitgenommen.

14. Tag
Wir wollen die Baganza befahren, es ist jedoch zu wenig Wasser im Flußbett. Wir fahren weiter zur Enza, wobei es regnet und Hagelt. Da die Straße diesmal nicht direkt durch das Tal führt und die Strecke sehr weit ist, so daß das Fahrradfahren wirklich sehr lange gedauert hätte, entschließt sich Jochen, nicht zu Paddeln und den Bus umzusetzen.
Es ist ein schöner Bach mit genug Wasser. Nach vier Kilometern zerbricht mir das Paddel zwischen den Händen, als ich gerade in einem Kehrwasser paddle, um mir den folgenden Steinabfall anzusehen. Ich mache, daß ich aus dem Boot rauskomme und muß zu meiner Schande gestehen, dabei weder Paddel noch Boot sichern zu können. Dem Boot paddelt Oli hinterher und bringt es ans Ufer, die beiden Paddelhälften gehen schnell unter.
Tja, was nun? Jochen hatte sonst immer ein Ersatzpaddel im Boot, aber heute ist er ja nicht dabei. Oli paddelt alleine weiter, ich begebe mich mit dem Boot auf den Weg zur Straße. Nach zweistündiger Wanderung mit dem Boot, teilweise tragend, teilweise hinterherziehend, kommen mir Oli und Jochen schon entgegen, sie wählten glücklicherweise den richtigen Feldweg.
Wir fahren nun Richtung Norden und kommen noch bis in die Schweiz, wo Jochen und ich unabhängig voneinander den stark rötlich gefärbten Himmel bemerken. Daß dies ein Nordlicht ist, erfahren wir erst einen Tag später, als wir auch die Nachrichten im Radio wieder verstehen können.

15. Tag
Wir fahren weiter Richtung Deutschland, besichtigen noch die Viamala, eine Schlucht, an der wir direkt vorbeikommen. Es ist strahlender Sonnenschein. Es ist schon spät, als wir bei Jochen ankommen, wo wir übernachten.

16. Tag
Am Vormittag kommen wir zuhause an.

Marcel

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